[en] Architektur Galerie Berlin

Bauwelt 8-2016 Assoziationen – Norihiko Dan in der Architektur Galerie Berlin

Jan Friedrich

Hätte es eines Beweises dafür bedurft, dass verschiedene Gegenstände, die sich im selben Raum befinden, einander beeinflussen (dass es auf den Betrachter zumindest so wirkt, als beeinflussten sie sich) – dann wäre die Ausstellung des japanischen Architekten Norihiko Dan in der Architektur Galerie Berlin ein solcher Beweis.

Norihiko Dan (Jahrgang 1956) hat scheinbar völlig unterschiedliche Dinge in den Raum in der Karl-Marx-Allee gebracht. An der langen Wand hängen vier auf Rahmen gezogene, mittelformatige Papierarbeiten, offenbar durch Faltungen erzeugte Reliefs. Vor der langen Wand steht ein zweistufiges Podest. Das soll Besuchern anscheinend helfen, näher an die sehr hoch aufgehängten Papierarbeiten herantreten zu können. Aber darf man es überhaupt betreten? Am rechten Rand des Podests, vor dem Durchgang ins Büro des Galeristen: eine Stele, über der ein Spiegel von der Decke herabhängt. Schließlich steht eine Reihe von Architekturmodellen im Raum. Die Papierarbeiten, das Podest, die Stele, die Modelle, die Galeriewände – alles ist in demselben strahlenden Weiß gestrichen. Ein Hinweis darauf, dass es sich eben nicht um einzelne Gegenstände handelt, sondern um eine zusammen zu lesende Installation?

Chikei hat Norihiko Dan die Ausstellung genannt. Das japanische Wort lässt sich nicht eindeutig ins Deutsche übersetzen, am treffendsten wäre wohl Gelände, im Sinne einer Schnittstelle zwischen Mensch und Erde. Mit diesem Begriff im Hinterkopf scheint hier mit einem Mal alles zusammenzupassen: Das Podest ist Gelände, das sich aus dem Steinfußboden der Galerie erhebt. Auch die Papierarbeiten sind verschiedene Arten von Gelände – eine könnte ein Gebirgszug sein, eine andere meint man als Betonschalen zu lesen, die sich aus dem Erdboden herauswölben. Und diese Idee einer solcherart erdverbundenen, organischen Architektur führt direkt zu den Modellen von Dans Bauten wie dem Flughafenterminal in Taipeh, dem Besucherzentrum Sonne-Mond-See in Nantu/Taiwan oder dem Staudamm bei Kyoto. Welche Assoziation das über der Stele baumelnde Spiegelbild beim Autor hervorruft, wird hier aber nicht verraten.